Für eine transformative Wohnungspolitik mit Genossenschaften

„Das Beste, was wir tun können ist, den Kampf um das Voranschreiten als einen experimentellen Prozess zu behandeln, innerhalb dessen wir die Grenzen des Möglichen fortlaufend ausloten – und dabei reale Utopien nicht nur entwerfen, sondern real werden lassen“.
Erik Olin Wright (2017): Reale Utopien: Wege aus dem Kapitalismus, S. 496

Mit ihren kollektiv selbstverwalteten Wohnformen zur Kostenmiete stellen Genossenschaften eine Alternative zum spekulativen Wohnungsmarkt und zur staatlich organisierten Vergabe von gefördertem Wohnraum dar. Gleichzeitig agieren sie unter den Bedingungen des Marktes und sind angesichts dramatisch hoher Bau- und Baufinanzierungskosten kaum in der Lage, ohne substanzielle politische Förderung zu bauen.

Der Frage, wie Genossenschaften zum Anker einer transformativen Wohnungspolitik in Berlin werden könnten, ist Günter Piening vom Bündnis “Die Genossenschafter*innen” in seinem Aufsatz “Wohnen jenseits von Markt und Staat” nachgegangen. Er orientiert sich dafür an Erik Olin Wright’s Transformationstheorie und argumentiert, dass Genossenschaften dann zu “zentrale(n) Akteure(n) gesellschaftlicher Veränderung (werden) können” – wenn sie “politisch gestärkt, demokratisiert und ihr Anteil an der Wohnungsversorgung ausgeweitet” wird.

Pienig plädiert für eine Genossenschaftspolitik, die den nicht-profitorientierten Wohnungssektor rechtlich stärkt, die Demokratisierung der Genossenschaften gesetzlich absichert und diese stärker für Menschen mit geringem Einkommen öffnet. Gerade vor dem Hintergrund des systematischen Marktversagens bei der Bereitstellung sicheren, bezahlbaren und bedarfsgerechten Wohnraums, ist ihm damit ein sehr lesenswerter Beitrag zur wohnungspolitischen Debatte in Berlin gelungen.